Was ist passiert?
Zum ersten Mal in der Geschichte überholte erneuerbare Energie aus Sonne und Wind im ersten Halbjahr 2025 die Kohle als weltweit größte Stromerzeugungsquelle. Laut dem diese Woche veröffentlichten Global Electricity Mid-Year Insights-Bericht von Ember machten erneuerbare Energien den größten Anteil an der weltweiten Stromerzeugung aus und markierten damit einen Wendepunkt in der Energiewende.
An der Spitze stand die Solarenergie, die im Jahresvergleich um 31 % zunahm und in nur sechs Monaten 306 Terawattstunden (TWh) an neuer Stromerzeugung hinzufügte. Dieses explosionsartige Wachstum übertraf zum ersten Mal seit Beginn der industriellen Revolution vor über einem Jahrhundert die Summe der erneuerbaren Energien insgesamt über den Beitrag der Kohle.
Der Meilenstein ist keine einmalige Anomalie. Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2025 weltweit 793 Gigawatt erneuerbare Kapazität hinzukommen werden, was die Welt auf den richtigen Weg bringt, die ehrgeizigen Ziele des COP28-Klimagipfels zu erreichen.
Wichtige Details
- Erneuerbares Wachstum (H1 2025): Solar +306 TWh (31 % Anstieg), Wind +100 TWh
- Kohle vs. Erneuerbare Energien: Erneuerbare Energien erzeugen mittlerweile weltweit mehr Strom als Kohle
- Gesamtkapazitätserweiterungen im Jahr 2025: 793 GW erneuerbare Kapazität erwartet
- Geografische Spitzenreiter: China (40 % der weltweiten Neuzugänge), USA, Europa, Indien
- Kostenverlauf: Solarenergie ist in vielen Märkten jetzt die günstigste Stromquelle der Geschichte
- COP28-Ziel: Auf dem Weg, die erneuerbare Kapazität bis 2030 zu verdreifachen
Warum es wichtig ist
Für das Klima
Dies ist der Meilenstein, auf den Klimabefürworter jahrzehntelang hingearbeitet haben. Kohle ist der größte Einzelverursacher der weltweiten CO2-Emissionen. Seine Verdrängung durch erneuerbare Energien bedeutet:
- Emissionsreduzierung: Allein im ersten Halbjahr 2025 wurden etwa 500–600 Millionen Tonnen CO2 vermieden
- Beschleunigung: Der Übergang vollzieht sich schneller, als die IPCC-Szenarien noch vor fünf Jahren vorhergesagt hatten
- Momentum: Sobald erneuerbare Energien wirtschaftlich dominieren, wird eine Umkehr nahezu unmöglich
Das Tempo ist enorm wichtig. Jedes Jahr, wenn die Kohle weiterhin dominiert, werden Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. Dieser Schnittpunkt ist – wenn auch in mancher Hinsicht symbolisch – der Anfang vom Ende der Kohlevorherrschaft.
Für Energiemärkte
Die Ökonomie der Stromerzeugung hat sich grundlegend verändert:
Solarstromgestehungskosten (Levelized Cost of Energy):
- 2010: ~$350/MWh
- 2020: ~$50/MWh
- 2025: ~$30/MWh (viele Märkte jetzt unter $20/MWh)
Kohle-Stromgestehungskosten:
- Je nach Region relativ stabil bei 60–100 $/MWh
- Steigt in vielen Märkten aufgrund der CO2-Bepreisung und alternder Anlagen
Was das bedeutet:
- Neue Solaranlagen sind günstiger als der Weiterbetrieb vieler bestehender Kohlekraftwerke
- Speicher und Solarenergie im Versorgungsmaßstab konkurrieren jetzt mit Erdgas-Spitzenkraftwerken
- Welle der Kohlestilllegung nimmt zu (2024–2025 werden weltweit mehr als 200 Gigawatt stillgelegt)
Für Entwicklungsländer
Auffällig ist die geografische Verteilung des Wachstums:
Länder erreichen im Jahr 2025 Meilensteine im Bereich der erneuerbaren Energien:
- Pakistan: Erneuerbare Energien machen jetzt 20 % der Stromerzeugung aus (gegenüber 5 % im Jahr 2020)
- Ungarn: Erneuerbare Energien übersteigen 25 % (Solarboom)
- Chile: Erneuerbare Energien übersteigen 50 % der Stromerzeugung
- Kenia: 90 %+ erneuerbare Energien (Geothermie + Wasserkraft + Wind)
Für Entwicklungsländer bietet Solar + Speicher:
- Energieunabhängigkeit: Keine importierte Kohle oder Gas
- Leapfrog-Chance: Verzichten Sie vollständig auf die fossile Infrastruktur
- Dezentrale Erzeugung: Solarenergie funktioniert ohne teuren Netzausbau
- Schaffung von Arbeitsplätzen: Installations- und Wartungsarbeiten können nicht ausgelagert werden
Die Hintergrundgeschichte
Kohle dominierte über ein Jahrhundert lang die weltweite Elektrizitätsversorgung, weil sie reichlich vorhanden, billig und energiereich war. Noch im Jahr 2015 erzeugte Kohle 40 % des weltweiten Stroms, während Solarenergie weniger als 1 % ausmachte.
Die Transformation vollzog sich schneller, als fast jeder vorhergesagt hatte:
2015–2020: Die Solarkosten sind um 90 % gesunken, was sie in sonnenreichen Regionen wettbewerbsfähig macht
2020–2023: Solarenergie wurde in den meisten Märkten weltweit zur günstigsten Stromquelle
2024: Rekordausbau in China (400 GW), USA (50 GW), Indien (30 GW)
H1 2025: Der Übergangspunkt
Drei Faktoren beschleunigten den Übergang:
- Technologie: Die Effizienz von Solarmodulen verbesserte sich, während die Kosten sanken
- Größenordnung: Die Produktionsgröße (insbesondere in China) führte zu einer weiteren Kostensenkung
- Speicher: Die Batteriekosten sind so weit gesunken, dass Unterbrechungsprobleme gelöst werden konnten
Das Ergebnis: Solarenergie hat sich schneller als jede andere Energietechnologie in der Geschichte von der teuren Nische zum Mainstream entwickelt.
Expertenreaktionen
Ember-Analysten im Bericht:
„Das erste Halbjahr 2025 wird als der Moment in Erinnerung bleiben, in dem sauberer Strom den schmutzigsten überholte. Das ist kein vorübergehender Ausrutscher – die wirtschaftlichen Fundamentaldaten bedeuten, dass die Dominanz der Kohle vorbei ist.“
Internationale Energieagentur (IEA) Exekutivdirektor Fatih Birol:
„Wir erleben den Anfang vom Ende des Zeitalters der fossilen Brennstoffe. Solar- und Windenergie sind heute die günstigsten Stromquellen auf Märkten, die 90 % des weltweiten Bedarfs abdecken.“
Klimaforscher stellen fest, dass dieser Meilenstein schneller eintrifft als vorhergesagt:
„In den IPCC-Szenarien aus dem Jahr 2018 wurde dieser Übergang nicht vor 2030–2035 erwartet. Wir sind dem Zeitplan 5–10 Jahre voraus, was uns eine Kampfchance gibt, die Erwärmung auf 1,5–2 °C zu begrenzen.“
Was kommt als nächstes?
Die Dynamik beschleunigt sich, nicht verlangsamt sich:
Prognosen für 2025:
- Zubau erneuerbarer Kapazität um 793 GW (entspricht der Stromversorgung ganz Europas)
- Stilllegung von Kohlekraftwerken: 200–250 GW weltweit
- Nettoverlagerung: ~600-700 GW Wechsel von Kohle zu erneuerbaren Energien
Ausblick 2026–2030:
- COP28-Ziel: Verdreifachung der erneuerbaren Kapazität bis 2030 (ab 2020)
- Aktuelle Flugbahn: Auf dem Weg, das Ziel zu übertreffen
- Schlüsselmärkte: China dominiert weiterhin, die USA beschleunigen unter IRA, Indien skaliert schnell
Zeitleiste:
- 2025: Erneuerbare Energien übertreffen Kohle bei der Jahreserzeugung (Gesamtjahr)
- 2027: Erneuerbare Energien übersteigen Kohle + Erdgas zusammen (optimistisches Szenario)
- 2030: Kohle dürfte weniger als 15 % des weltweiten Stroms ausmachen (von 40 % im Jahr 2015)
Regionale Aufschlüsselung
China: Der entscheidende Spieler
China verdient besondere Aufmerksamkeit, weil es für globale Trends entscheidend ist:
- 2024-2025: Mehr als 400 GW an Solar- und Windkraftanlagen hinzugefügt (mehr als der Rest der Welt zusammen)
- Kohle-Realität: Immer noch Kohlekraftwerke bauen, aber weniger betreiben (Kapazitätsfaktor sinkt)
- Motivation: Luftqualität, Energiesicherheit, Industriepolitik (dominieren grüne Technologieexporte)
Chinas Paradoxon: Sowohl Kohle als auch erneuerbare Energien bauen, aber die erneuerbaren Energien viel schneller. Kohlekraftwerke dienen zunehmend als Backup statt als Grundlastkraftwerke.
Vereinigte Staaten
- IRA-Auswirkungen: 369 Milliarden US-Dollar an Klimaausgaben, die den Einsatz beschleunigen
- Neuzugänge im Jahr 2025: ~50–60 GW Solarenergie, ~10 GW Windenergie
- Speicherboom: 18,2 GW Batteriespeicher hinzugefügt (wie wir gestern berichtet haben)
- Regionalführer: Texas, Kalifornien, Südosten
Europa
- Energiesicherheitstreiber: Der Krieg in der Ukraine machte die Unabhängigkeit erneuerbarer Energien zur strategischen Priorität
- Offshore-Windenergie: Ausbau der Nordsee beschleunigt sich
- Industrielle Bedenken: Hohe Energiekosten beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China/USA
Entwicklungsmärkte
- Solar- und Speicher-Sprung: Viele Länder verzichten vollständig auf zentralisierte Kohle
- Finanzierungsherausforderung: Bleibt trotz verbesserter Wirtschaftslage ein Hindernis
- Politischer Wille: Je nach Region sehr unterschiedlich
Die Nuancen
Bevor wir den Sieg verkünden, wichtiger Kontext:
Kohle ist nicht tot:
- Immer noch bedeutend in China, Indien und Südostasien
- Bestehende Anlagen werden in einigen Märkten jahrzehntelang laufen
- In Ländern ohne Gasalternative verlangsamen sich die Pensionierungen
Erneuerbare Herausforderungen bleiben bestehen:
- Intermittierend: Die Speicherkosten sinken, werden aber nicht überall gelöst
- Netzintegration: Bestehende Netze sind für die zentrale Erzeugung ausgelegt
- Lieferketten für Mineralien: Lithium, Kobalt und seltene Erden sind mit Einschränkungen konfrontiert
- Landnutzung: Solaranlagen im Versorgungsmaßstab benötigen viel Platz
Rolle von Erdgas:
- Viele Märkte nutzen Gas als „Brückenbrennstoff“ für Kohle
- In einigen Regionen wächst die Kapazität der Gasfeuerung weiter
- Langfristige Frage: Wird Gas verdrängt oder wird es zu einer dauerhaften Reserve?
Unsere Meinung
Die symbolische Bedeutung der erneuerbaren Energien, die Kohle überholen, ist wichtig, weil sie zeigt, dass die Energiewende kein fernes Ziel ist – sie findet jetzt statt, schneller als erwartet, angetrieben von wirtschaftlichen und nicht nur politischen Aspekten.
Aber lassen Sie uns klarstellen, was dieser Meilenstein bedeutet und was nicht:
Es bedeutet:
- Solar- und Windenergie sind heute die dominierenden Kräfte auf den globalen Strommärkten
- Der Rückgang der Kohle ist in den meisten entwickelten Märkten unumkehrbar
- Die wirtschaftlichen Argumente für erneuerbare Energien sind bewiesen, nicht theoretisch
- Schnellere Übergänge als erwartet sind möglich
Es BEDEUTET NICHT:
- Die Klimakrise ist gelöst (wir dekarbonisieren immer noch nicht schnell genug)
- Kohle verschwindet über Nacht (Ruhestände dauern Jahrzehnte)
- Andere Sektoren (Verkehr, Industrie, Wärme) vollziehen ebenfalls einen raschen Wandel
- Alle Länder werden den gleichen Weg gehen
Die ehrliche Einschätzung: Das ist ein bedeutender Fortschritt, der es wert ist, gefeiert zu werden, aber er ist immer noch nicht schnell genug, um die Klimaziele zu erreichen. Wir müssen weiter beschleunigen, über die Elektrizität hinaus in Sektoren expandieren, die schwerer zu dekarbonisieren sind, und sicherstellen, dass Entwicklungsländer die Finanzierung erhalten, um fossile Brennstoffe zu überholen.
Dass die Solarenergie die Kohle überholt, ist der Anfang vom Ende, nicht das Ende selbst.
Das Fazit
Erneuerbare Energie aus Sonne und Wind überholte im ersten Halbjahr 2025 Kohle als weltweit größte Stromerzeugungsquelle und markierte damit einen historischen Wendepunkt in der globalen Energiewende. Die Solarenergie lag mit einem Wachstum von 31 % an der Spitze und erhöhte die Stromerzeugung um 306 TWh, während die Welt auf dem besten Weg ist, bis zum Jahresende 793 GW an erneuerbarer Kapazität hinzuzufügen.
Dieser Übergang vollzog sich fünf bis zehn Jahre schneller als von den Klimamodellen vorhergesagt, was auf spektakuläre Kostenrückgänge (Stromgestehungskosten von Solarenergie jetzt bei 20 bis 30 USD/MWh gegenüber 60 bis 100 USD/MWh bei Kohle) und rekordverdächtige Einführungen in China, den USA und Entwicklungsländern zurückzuführen ist. Jetzt kommt es auf die Wirtschaftlichkeit an: Der Bau neuer Solarkraftwerke ist günstiger als der Weiterbetrieb vieler bestehender Kohlekraftwerke.
Aber der Kontext ist wichtig. Obwohl dieser Meilenstein einen enormen Fortschritt darstellt, verschwindet die Kohle nicht sofort, Erdgas wächst in vielen Märkten und das Tempo der Dekarbonisierung reicht immer noch nicht aus, um die Erwärmung auf 1,5 bis 2 °C zu begrenzen. Die Energiewende ist real, beschleunigt sich und ist unvermeidlich – aber wir befinden uns immer noch in einem Wettlauf gegen die Zeit.
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